Unternehmensmediation

Streit in der Unternehmensnachfolge: Wenn der Vater mit dem Sohne…

Unternehmensnachfolge In Familienunternehmen bestehen enge wirtschaftliche wie emotionale Verflechtungen zwischen der Unternehmensführung und dem oft weitaus größeren Kreis der Inhaber, die durch familiäre Beziehungen miteinander verbunden sind. Wie erfolgreich ein Familienunternehmen ist, hängt daher nicht selten vom Zusammenhalt und der Harmonie innerhalb der Unternehmerfamilie ab – mit jeder Unternehmergeneration aber wächst der Kreis der Beteiligten und damit das Konfliktpotenzial. Ob und wie die Beteiligten dies unter Kontrolle halten können, bestimmt nicht selten das Schicksal des Lebenswerks ihrer Vorgänger sowie das von vielen Hundert oder sogar Tausend Mitarbeitern.

Ein Beispiel aus unserem Mediationsalltag

Unternehmensmediation – Streit in der Unternehmensnachfolge

Es war der erklärte Wunsch von Walter S., dem Vorstandsvorsitzenden eines Maschinenbaubetriebs, den er über 45 Jahre lang in zweiter Generation geführt hatte, dass sein einziger Sohn Konstantin einmal in seine Fußstapfen treten sollte. Nachdem dieser sein Studium abgeschlossen und mehrere Jahre Erfahrung in der Führung des Familienunternehmens gesammelt hatte, war es nun so weit: Walter S. kündigte seinen Rückzug an. Konstantin, der eigentlich lieber Arzt geworden wäre und ein ausgeprägtes soziales Engagement in sich spürte, kündigte bereits im ersten Jahr an der Spitze eine umfangreiche Corporate Social Responsibility-Strategie an. Demnach sollten unter anderem strenge Umweltstandards bei der Produktion ausgearbeitet und eingehalten werden sowie der gesamte Lieferantenpool auf diese Standards verpflichtet werden. Wer nicht mitzog, sollte ausgelistet werden. Diese Veränderungen stießen bei seinem Vaters jedoch auf wenig Begeisterung: Als unnötig und unrentabel bezeichnete er das Vorhaben seines Sohnes und verlangte unter diesen Umständen wieder ein Mitspracherecht an wichtigen Unternehmensentscheidungen   – notfalls wollte er dieses gerichtlich einklagen. Zwar war ihm die Meinung seines Vaters nach wie vor wichtig, dennoch wollte sich Konstantin nicht weiter von ihm bevormunden lassen. Zwischen Vater und Sohn drohte es zum Bruch zu kommen, als sich auch Teile des Managements offen auf die Seite des Vaters stellten und Konstantin in seiner Autorität herausforderten. Auf Verlangen des Aufsichtsrats stimmten beide schließlich einer Mediation zur Beilegung ihres Konfliktes zu.

Was ein Rechtsstreit gebracht hätte

Ein Rechtsstreit hätte eine längere Zeit der Unsicherheit für das Unternehmen bedeutet, in dem eigentlich keiner der beiden Kontrahenten wirklich die Führung hätte wahrnehmen können. Und selbst bei einer klaren richterlichen Entscheidung zugunsten des Vaters oder des Sohnes wären beide beschädigt aus dem Konflikt hervorgegangen: Sie hätten nicht nur den Familienfrieden dauerhaft zerstört, sondern das Unternehmen und die Mitarbeiter auch in eine Krise gestürzt. Kunden- und Lieferantenbeziehungen nehmen Schaden, wenn ein Unternehmen keinen klaren Kurs fahren kann und von inneren Streitigkeiten zerrissen wird. Damit einhergehende Gewinnverluste hätten langfristig im schlimmsten Fall die Existenz des Unternehmens bedroht und damit eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen kosten können.

Was eine Mediation | Unternehmensmediation geleistet hat

In dem vorliegenden Beispiel hat die Mediation real dazu beigetragen, dass tief schwelende Konflikte, die über Jahre hinweg unausgesprochen zwischen Vater und Sohn bestanden hatten, nun an die Oberfläche traten. Erst jetzt wurde dem Vater bewusst, unter welchen Druck er seinen Sohn gesetzt hatte und wie sehr dieser offenbar darunter litt, ständig den Ansprüchen des Vaters gerecht werden zu müssen. Sein Sohn erkannte hingegen, dass es dem Vater keinesfalls leicht fiel, die Unternehmensleitung in fremde Hände abzugeben. Er verstand, dass sein Vater große Angst davor hatte, tatenlos dabei zusehen zu müssen, wie fremde Menschen sein Lebenswerk nach ihren eigenen Vorstellungen umgestalten würden. Zum ersten Mal gelang es dem Sohn dadurch, seine Aufgabe weniger mit Bürde als vielmehr mit Stolz anzunehmen.  Zudem stellte sich heraus, dass der Vater der Idee einer nachhaltigen Ausrichtung des Unternehmens gar nicht so negativ entgegenstand, wie zunächst vermutet. Denn in erster Linie ging es ihm darum, bei wichtigen Entscheidungsprozessen nicht außen vor gelassen zu werden, sondern nach wie vor in Pläne seines Sohnes mit eingebunden zu werden. Daher einigten sich beide schließlich darauf, sich ein gemeinsames Konzept zur  unternehmerischen Sozial- und Umweltverantwortung zu überlegen, dessen Umsetzung der Vater in beratender Position begleiten würde. Die damit verbundene Wertschätzung für die Erfahrung des Vaters und dessen Vertrauen in die Führungsfähigkeit des Sohnes stellten nicht nur ihr familiäres Verhältnis auf eine starke und belastbare emotionale Grundlage, sondern ermöglichten auch die Realisierung eines notwendigen Wandels im Unternehmen bei maximaler Kontinuität in der Führung – was auch bei Kunden und Lieferanten auf hohe Zustimmung stieß.

Unsere Mediatoren haben diese Unternehmensmediation in sechs Sitzungen à 120min. abgeschlossen.