Konflikte ums Erbe | Erbschaftsmediation

Streit um gemeinsame Erbe

Mediation - Streit um das gemeinsame Erbe Wenn zum Erbe auch noch innerfamiliäre Beziehungskonflikte hinzukommen, ist die Eskalation meistens vorprogrammiert. Im Gegensatz zu einer Gerichtsverhandlung können bei einer Mediation alle Beteiligten auch mit ihrer persönlichen Gesichte gehört werden. So lassen sich die eigentlichen Hintergründe für den Zwist aufarbeiten und Lösungen entwickeln, die nicht nur die Aufteilung des Erbes nachhaltig regeln, sondern im besten Fall auch den Familienfrieden wieder herstellen.

Ein Beispiel aus unserem Mediationsalltag

Streit um das gemeinsame Erbe

Die Trauer über den plötzlichen Tod ihrer Mutter hatte die Geschwister Jan H. und Anna H. seit langer Zeit wieder miteinander verbunden. Denn seit der 28-jährige Koch zu Beginn seiner Ausbildung von zuhause ausgezogen war, hatte er nur noch sporadischen Kontakt zu seiner sieben Jahre jüngeren Schwester. Er wusste nur, dass sie vor kurzem ihr Jura-Studium abgeschlossen und nun geplant hatte, einige Zeit im Ausland zu verbringen.

Die Betroffenheit über den Schicksalsschlag währte bei beiden jedoch nicht lange: Da die Mutter kein Testament hinterlassen hatte, standen die Geschwister vor der Aufgabe, ihr Vermögen gerecht aufzuteilen. Infolgedessen brach unter den beiden ein erbitterter Streit über das Zweifamilien-Haus aus, in dem die Mutter nach dem Tod ihres Mannes allein gewohnt hatte. Da Anna H. ohnehin Deutschland verlassen wollte und er sich bereits nach einer Bleibe für sich und seine schwangere Lebensgefährtin umsah, sollte Anna H. ihm das Haus überlassen und im Gegenzug die Wertgegenstände und den kostbaren Schmuck der Verstorbenen erhalten. Als letzterer jedoch nicht auffindbar war, beschuldigte Anna H. ihren verschuldeten Bruder, diesen bereits verkauft zu haben.

Jan H. bestritt dies vehement und war durch die Anschuldigungen seiner Schwester tief verletzt. Selbst als der gesamte Schmuck wiedergefunden werden konnte, war die Beziehung zwischen den beiden Hinterbliebenen stark belastet und Anna H. war nicht mehr einverstanden, Jan H. das Haus zu überlassen. Sie war sich sicher, dass der Schmuck und die Wertgegenstände niemals den Wert des Hauses aufwiegen könnten – doch um ihr die fehlende Summe auszubezahlen, fehlten Jan H. die finanziellen Mittel. Zudem fühlte er sich der angehenden Anwältin in den gemeinsamen Gesprächen stets unterlegen, sodass er beschloss, sich auf keine weiteren Gespräche einzulassen. Auch als Anna H. die Initiative ergriff und ihm den Vorschlag zur Teilnahme an einer Mediation unterbreitete, reagierte Jan H. zunächst skeptisch. Erst als er in einem Vorgespräch mit dem Mediator darüber aufgeklärt wurde, dass die Konfliktparteien selbst festlegen, über welche Punkte verhandelt wird, und auf welche Weise dort Lösungswege erarbeitet werden, stimmte er der Teilnahme an einem Mediationsverfahren zu.

Wie das Gericht solche Fälle regelt

Erbstreitigkeiten vor Gericht sind meist ein langwieriger Prozess. Je nach Umfang des Erbes machen hohe Gutachterkosten und Streitwerte das Verfahren zudem oft sehr teuer. Gerade beim Streit um Immobilien steht den hohen Auslagen meist ein rascher Verfall des Erbwertes gegenüber, der wiederum eine rasche Einigung zwischen den Hinterbliebenen erfordern würde – ein Teufelskreis. Grundsätzlich stellt das Mediationsverfahren hier eine besonders wertvolle Alternative zur gerichtlichen Auseinandersetzung dar. Lässt sich diese jedoch nicht vermeiden, schlagen mittlerweile viele Richter sogar noch im Anschluss an das Verfahren die Teilnahme an einer Mediation vor, um eine dauerhafte Aussöhnung zwischen den Hinterbliebenen zu bewirken.

Was Mediation | Erbschaftsmediation geleistet hat:

Auf neutralem Boden und abseits von Richter und Anwälten konnten sich die Geschwister wieder auf Augenhöhe begegnen. Unter der geduldigen, aber konsequenten Vermittlung des Mediators kamen die beiden Streithähne wieder miteinander ins Gespräch. Sie konnten im Verlauf der Sitzungen ihre tiefer liegenden Motive ergründen und offen legen, Verständnis für die Sichtweise der anderen entwickeln und sich schließlich auf eine gemeinsame, vorher undenkbare Lösung einigen: Anna H. erhielt wie besprochen die Wertgegenstände und den Schmuck der Verstorbenen – Jan H. das Haus. Zwar entwickelte Anna H. im Laufe der Gespräche ein Verständnis für die prekäre finanzielle Situation ihres Bruders, dennoch wollte sie sich bis zum Schluss nicht mit ihrem Teil des Vermögens zufriedengeben. Schließlich machte sie ihrem Bruder einen Vorschlag: Da sie ohnehin mit dem Gedanken spielte, in wenigen Monaten wieder nach Deutschland zurückzukehren, um hier weiter zu studieren, würde sie dann in die andere der beiden Wohnungen ziehen und damit ihren Wertanteil abwohnen. Jan H. gefiel dieser Vorschlag auf Anhieb, da ihm so zusätzliche Kosten erspart blieben und er seiner Familie so eine geräumige Wohnung mit Garten bieten konnte. Am Ende des Mediationsverfahrens versöhnten sich die Geschwister und beschlossen, von nun an zusammenzuhalten. Sie waren sich sicher, dass dies auch der Wille ihrer Mutter gewesen wäre.

Unsere Mediatoren haben diese Erbschaftsmediation in acht Sitzungen à 90min. abgeschlossen