Jugendmediation

Mediation und Streitschlichtung zwischen Schülern und Lehrkräften: Streik in der Mathestunde

Jugendmediation An kaum einen anderen Ort treffen gegensätzliche Ansichten und persönliche Interessen so unmittelbar aufeinander wie im Klassenzimmer: Während Lehrkräfte eine ruhige Atmosphäre und die Aufmerksamkeit ihrer Schüler benötigen, um ihnen den Lehrstoff vermitteln zu können, stehen Jugendliche vor der Herausforderung, wachsenden Leistungsdruck mit persönlicher Motivation und den typischen Konflikten Heranwachsender in Einklang zu bringen. In dieser aufgeladenen Atmosphäre können Schüler und Lehrkräfte leicht aneinandergeraten. Wenn aus anfangs harmlosen Konflikten auf beiden Seiten irgendwann verhärtete Fronten werden, können Mediationen dazu beitragen, dass „Problemschüler“ und „unfaire Lehrer“ wieder zueinanderfinden. Das übergeordnete Ziel ist dabei, eine gemeinsame Basis zu finden, auf deren Grundlage es beiden Seiten gelingt, wieder produktiv zusammenzuarbeiten.

Ein Beispiel aus unserem Alltag als Mediator in der Jugendmediation

Streit zwischen Schülern und Lehrern

Matheunterricht in einer 10. Klasse: Eine kleine Clique aus drei Schülern erschien seit Wochen entweder gar nicht mehr zum Unterricht oder kam zu spät. Saßen sie in der Klasse, störten sie mit Zwischenrufen oder Gesprächen. Lehrer Paul L. hatte zahlreiche Versuche unternommen, die Disziplin in seiner Stunde wieder herzustellen, indem er die drei Verweigerer zur Rede gestellt und mit Strafaufgaben belegt hatte. Bald stellte er jedoch fest, dass seine Maßnahmen nicht ernst genommen wurden. Schließlich wusste er sich nicht mehr anders zu helfen, als sich auf jene Schüler zu konzentrieren, die seinem Unterricht aktiv folgten und mitarbeiteten. Die drei Problem-Schüler ignorierte er, ebenso ihre Wortmeldungen oder Fragen. Als es zum offenen Konflikt kam, weil zwei der drei sich weigerten, während der Mathestunde ihr Handy aus der Hand zu legen, wurde Paul L. nicht nur laut. Er betitelte die drei als „asozial“ und warf sie aus dem Unterricht – auch Sebastian P., der an dieser Szene gar nicht aktiv beteiligt gewesen war. Am nächsten Tag wurde Paul L. zum Schulleiter zitiert. Die Eltern von Sebastian P. hatten sich vehement über den Mathelehrer beschwert und seine Versetzung verlangt. Sie drohten damit, ihren Sohn von der Schule zu nehmen, sollte der Rektor ihrem Verlangen nicht nachkommen – und weitere Eltern zum Wechsel zu bewegen. Der Schulleiter Erwin S. konnte die Beteiligten schließlich davon überzeugten, eine gemeinsame Lösung im Rahmen einer Mediation zu suchen.

Was ohne eine Jugendmediation | Mediation geschehen wäre

Ohne eine Mediation hätten wahrscheinlich mehrere Schüler die Schule verlassen und damit in einer für sie ohnehin schwierigen Zeit die Orientierung ihres sozialen Umfelds verloren. Ihr eigenes Verhalten hätten sie dadurch nicht überdenken müssen und wären in ihrer wenig respektvollen Haltung gegenüber Erwachsenen noch bestärkt worden – erzieherisch ein falsches Signal in dieser Lebensphase. Paul L. hätte einen herben beruflichen Rückschlag erlebt und womöglich seine Aussicht auf eine bevorstehende Verbeamtung verloren. Außerdem hätte dadurch auch der Ruf der Schule gelitten, um den Rektor Erwin S. mit zahlreichen Programmen und Initiativen seit Jahren kämpfte.

Was eine Jugendmediation | Mediation hier leistete

Die Mediation hat zu einem besseren Verständnis auf beiden Seiten beigetragen. L. gestand ein, dass er das Verhalten seiner Schüler zu persönlich genommen hatte und sich dadurch zu Schritten hinreißen ließ, die seine Autorität eher in Frage stellten als sie zu stärken. Ihm wurde bewusst, dass sich die Jugendlichen in einer Lebensphase befinden, in der sie täglich ihre Grenzen austesten wollen. Seine Schüler wurden im Verlauf des Gesprächs mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert – und erkannten Möglichkeiten, ihren Schulfrust in produktivere Bahnen zu lenken. In einem nächsten Schritt konnte nun an der Verbesserung der Unterrichtssituation gearbeitet werden. Hierfür hatten die Schüler zunächst die Möglichkeit, Anregungen für einen Unterricht einzubringen, der es ihnen ermöglicht, konzentrierter mitzuarbeiten. Als Gegenleistung versprachen sie, die geltenden Regeln für das Verhalten während des Unterrichts einzuhalten. Letztendlich brachte die Mediation allen Beteiligten nicht nur eine erhebliche Verbesserung der Unterrichtsatmosphäre, sondern durch sie  haben die Schüler gleichzeitig die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, Konflikte konstruktiv und respektvoll durch Aussprachen zu lösen.

Unsere Mediatoren haben diese Jugendmediation in sechs Sitzungen à 60 min. abgeschlossen.